{"id":4005,"date":"2023-03-31T17:40:46","date_gmt":"2023-03-31T15:40:46","guid":{"rendered":"https:\/\/qzm-rn.de\/?p=4005"},"modified":"2024-09-11T17:22:55","modified_gmt":"2024-09-11T15:22:55","slug":"kommentar-aktuelle-entwicklung-zu-rechten-von-trans-menschen-in-den-usa-und-was-das-fuer-die-community-in-deutschland-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/qzm-rn.de\/en\/kommentar-aktuelle-entwicklung-zu-rechten-von-trans-menschen-in-den-usa-und-was-das-fuer-die-community-in-deutschland-bedeutet\/","title":{"rendered":"Kommentar: aktuelle Entwicklung zu Rechten von trans Menschen in den USA und was das f\u00fcr die Community in Deutschland bedeutet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was passiert in den USA?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit Jahresbeginn sind in mehreren US-amerikanischen Bundesstaaten insgesamt \u00fcber 300 queerfeindliche Gesetzentw\u00fcrfe vorgelegt worden, darunter \u00fcber 170, die transidente Menschen vor allem jugendlichen Alters davon abhalten sollen, geschlechtsangleichende Ma\u00dfnahmen vorzunehmen. Minderj\u00e4hrige in Texas m\u00fcssen nun damit rechnen, wegen Kindesmisshandlung von ihren Erziehungsberechtigten getrennt zu werden, sollten diese Zugang zu Pubert\u00e4tsblockern oder Hormontherapie erm\u00f6glicht haben. In Staaten wie Tennessee, Utah und South Dakota ist es trans Jugendlichen vollst\u00e4ndig verboten, geschlechtsangleichende Ma\u00dfnahmen zu ergreifen: falls bereits geschehen, werden sie zur medizinischen Detransition gezwungen. In Mississippi k\u00f6nnen behandelnde \u00c4rzt*innen, die trans Patient*innen behandeln, ihre Lizenz verlieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Entwicklungen wie diese sind be\u00e4ngstigend, kommen aber nicht unerwartet. Schon seit Jahren ist ein rasanter Anstieg von transfeindlicher Rhetorik zu beobachten &#8211; vor allem in den USA, aber nicht nur dort. Dabei dr\u00e4ngt sich der Begriff des stochastischen Terrorismus auf, bei dem zwar nicht w\u00f6rtlich zur Gewalt gegen eine bestimmte Personengruppe aufgerufen, aber konstant auf politischer und gesellschaftlicher Ebene Stimmung gegen sie gemacht wird. Wenn sich Gewaltakte gegen diese Gruppe zu h\u00e4ufen beginnen, l\u00e4sst sich dann leugnen, dass sie im Zusammenhang mit der in der Politik genutzten Argumentation stehen. Man spricht stattdessen von Einzelt\u00e4tern oder zuf\u00e4lligen Gewaltverbrechen unter besonderen Umst\u00e4nden und bestreitet die Existenz eines systematischen Problems.<\/p>\n\n\n\n<p>Human Rights Campaign berichtet von mindestens 38 trans Menschen, die 2022 in den USA ermordet wurden. Viele der Opfer sind afroamerikanischer und\/oder lateinamerikanischer Abstammung, leben also an der gef\u00e4hrlichen Schnittstelle von Rassismus und Transfeindlichkeit. Die Dunkelziffer ist hoch: Oft wird den Taten gar nicht erst nachgegangen, und nicht selten werden Opfer unter Deadnames aufgenommen, sodass nicht klar wird, dass es sich um Hassverbrechen handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der konservative Moderator Michael Knowles verk\u00fcndete Anfang M\u00e4rz bei der Conservative Political Action Conference: \u201cTransgenderismus, die ganze absurde Ideologie, muss vollst\u00e4ndig aus dem \u00f6ffentlichen Leben ausradiert werden\u201d. Was diese Aussage vor allem in heranwachsenden US-amerikanischen trans Menschen ausl\u00f6st, ist unter anderem auf der Social Media App TikTok zu beobachten, deren Verbot \u00fcbrigens bereits seit der Trump-Regierung sowohl bei Republikanern als auch Demokraten im Gespr\u00e4ch ist. Unter dem Sound \u201cERADICATE\u201d, der einen Audiomitschnitt von Knowles\u2019 Rede enth\u00e4lt, sind Tausende von Posts von Jugendlichen zu finden, die an die Menschlichkeit ihrer Regierung appellieren. Sie zeigen Kindheitsfotos, ihre Hobbies, oder erste Schritte in ihrer Transition.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cInzwischen frage ich mich nicht mehr, ob ich ermordet werde, sondern wann,\u201d schreibt ein anonymer User. Ein 17j\u00e4hriges M\u00e4dchen kommentiert: \u201cWarum wollt ihr uns loswerden? Wir wollen einfach nur leben. Bitte.\u201d In der Videobeschreibung eines 16j\u00e4hrigen steht: \u201c\u2018Life, liberty, and the pursuit of happiness\u2019, am Arsch. Ihr interessiert euch nur f\u00fcr euch selbst.\u201d Die englischsprachigen Worte lauten \u00fcbersetzt \u201cLeben, Freiheit und das Streben nach Gl\u00fcck\u201d und sind ein Zitat aus der US-Verfassung.<\/p>\n\n\n\n<p>Knowles\u2019 Bezeichnung \u201cTransgenderismus\u201d unterstellt trans Menschen die Verbreitung eines sch\u00e4dlichen Weltbilds, einer gef\u00e4hrlichen Ideologie, die es zu bek\u00e4mpfen gilt. Nicht selten wird dabei wie in Texas der Schutz von Kindern als Vorwand genutzt. Dabei sprechen die Fakten dagegen: die Wahrscheinlichkeit von Depressionen und suizidalen Tendenzen bei trans und nichtbin\u00e4ren Jugendlichen sinkt mit dem Zugang zu Ressourcen wie Pubert\u00e4tsblockern und Hormontherapie dramatisch, so das Journal of the American Medical Association.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hat das mit Deutschland zu tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Annahme, die queerfeindliche Politik der USA sei ein isoliertes Problem, tr\u00fcgt. Mit dem globalen Rechtsruck in s\u00e4mtlichen westlichen Staaten ist gleichzeitig das Aufgreifen transfeindlicher Rhetorik zu beobachten, auf die sich konservative Regierungen wie beispielsweise die Ungarns und Italiens immer wieder st\u00fctzen. Gezielte Desinformation wie die Vermischung von LSBTIQ* mit P\u00e4dophilie und die vorget\u00e4uschte Priorisierung von Kinderschutz, sowie das Vorenthalten queerer Themen in Schule und \u00d6ffentlichkeit finden l\u00e4ngst schon in Europa statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Hinausz\u00f6gern des seit Jahrzehnten \u00fcberf\u00e4lligen Selbstbestimmungsgesetzes in Deutschland hat Methode: Nicht nur, dass es noch immer auf sich warten l\u00e4sst, es erf\u00e4hrt auch Abstriche, die in der urspr\u00fcnglichen Version nicht vorgesehen waren. So wird trans Menschen nach der Personenstands\u00e4nderung doch noch eine dreimonatige Wartezeit aufgezwungen, bis sie tats\u00e4chlich in Kraft tritt, und im Streitfall entscheidet das Hausrecht immer noch, welchen Bereich eine besuchende Person nutzen darf &#8211; basierend auf \u00e4u\u00dferer Erscheinung. Auf gut Deutsch: Wenn mir pers\u00f6nlich diese Person nicht genug nach Frau aussieht, lasse ich sie nicht in die Frauensauna. Als Diskriminierung soll das nach jetzigem Stand nicht gelten. Selbst in L\u00e4ndern, in denen es schneller zu gehen scheint und eine Personenstands\u00e4nderung mit weniger Aufwand verbunden ist, wie etwa in Spanien oder der Schweiz, schlie\u00dft die Regelung immer noch nichtbin\u00e4re Menschen aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn trans Menschen Rechte gew\u00e4hrt werden, so geschieht dies stets schleppend und offensichtlich widerwillig, mit genug Vorbehalten, um sie im Zweifel wieder zur\u00fcckziehen zu k\u00f6nnen. Es besteht Grund zur Annahme, dass dem so ist, weil konservative R\u00e4ume allerorts die entmenschlichende Politik der USA und ihre Ergebnisse aufmerksam beobachten. Es w\u00e4re nicht das erste Mal, dass der dortige Erfolg faschistischer Methoden als Richtwert f\u00fcr die eigene Vorgehensweise dient.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur weil die steigende Beliebtheit transfeindlicher Argumentationen uns fr\u00fcher oder sp\u00e4ter alle betreffen wird, sondern auch zum Zwecke internationaler queerer Solidarit\u00e4t ist es von Vorteil, f\u00fcr unsere Geschwister in den USA aktiv zu werden. Organisationen wie Point of Pride machen es sich zur Aufgabe, besonders in konservativen Staaten geschlechtsaffirmierende Ressourcen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Mit der stetig strenger werdenden Gesetzgebung werden viele Betroffene keine andere Wahl haben, als in andere Staaten oder gar das Nachbarland Kanada umzuziehen, und sind daher auf finanzielle Unterst\u00fctzung angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im direkten Umfeld lohnt es sich, Druck auf die Politik auszu\u00fcben und von \u00f6rtlichen Abgeordneten bzw. Repr\u00e4sentant*innen auf kommunaler Ebene zu verlangen, die Stigmatisierung von LSBTIQ* zu thematisieren und zu transfeindlichen \u00c4u\u00dferungen \u00f6ffentlich Stellung zu beziehen. Sie d\u00fcrfen weder salonf\u00e4hig bleiben, noch zur Basis f\u00fcr Gesetzgebung werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommentar von Laura<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahresbeginn sind in mehreren US-amerikanischen Bundesstaaten insgesamt \u00fcber 300 queerfeindliche Gesetzentw\u00fcrfe vorgelegt worden, viele davon zielen insbesondere auf trans Menschen ab. 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